sprechbohrer

Sigrid Sachse | Harald Muenz | Georg Sachse
phonetisch-musikalisches SprachKunstTrio

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Autorenmusik II – eine Kurzeinführung


Das musico-phonetische SprachKunstTrio sprechbohrer (Sigrid Sachse, Harald Muenz, Georg Sachse) gründete sich 2004, um gemeinsam aus musikalischer Perspektive an Sprechkunst zu arbeiten, an transdisziplinärer Kunst zwischen Musik, Phonetik und Literatur. Seither entwickelt, studiert und performt das Ensemble Werke im Grenzbereich zwischen Sprache und Musik. Durch die unmittelbare Zusammenarbeit mit Komponistinnen und Schriftstellerinnen verschiedener Generationen (u.a. Peter Behrendsen, Crauss, Julia Mihály, Florian Neuner, Gerhard Rühm, Karin Spielhofer, Stefan Streich, Mathias Traxler und Elisabeth Wandeler-Deck) wird größtmögliche interpretatorische Authentizität erreicht. Seine weltweit erste Gesamtrealisierung von Hans G Helms' Fa:m' Ahniesgwow, die von Kunststiftung NRW und hr2-kultur ermöglicht wurde, erhielt einen Preis der deutschen Schallplattenkritik. 2014 hat das Ensemble außerdem eine Kompletteinspielung von Kurt Schwitters' Konsequenter Dichtung vorgelegt.

Aufgrund der musikalischen Sozialisation der Ensemblemitglieder ergab sich im Repertoire der sprechbohrer lange Zeit ein natürlicher Schwerpunkt auf Komponisten, die dem engeren Bereich der Neuen Musik entstammten. Für das Trio Grund genug, sich auch außerhalb des begrenzten Feldes genuiner Lautpoesie in der experimentellen Musik wie der experimentellen Literatur auf die Suche nach interdisziplinär denkenden Autor*innen zu begeben.

Erstmals arbeiteten die sprechbohrer 2017 mit sieben neuen Stücken von Schriftstellern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an einem Projekt Autorenmusik, das in Kooperation mit der Künstlervereinigung MAERZ in Köln und Linz (A) organisiert und mit Fördermitteln der Kunststiftung NRW, des Musikreferats der Stadt Köln und der Stiftung Pro Helvetia gefördert wurde. Als Kurator war bereits damals Florian Neuner prägend.

Das vorliegende neue Projekt Autorenmusik II entwickelt die gemachten Erfahrungen konsequent in eine neue Richtung weiter. Im Bereich der Lautpoesie und der mit Sprache arbeitenden Performance und experimentellen Musik existiert, was exakte Notation betrifft, ein grundsätzliches Defizit. Zudem haben Komponist*innen Schwierigkeiten bei der Notation von (Sprech-)Stimmen, wenn deren Einsatz über traditionelle Vokalmusik hinausgeht. Die schriftlichen Notationsformen aber sollen unmißverständlich sein.

Die sprechbohrer arbeiten aus Partituren. Oft genug führen fehlende praktische Erfahrungen und Realisierungsmöglichkeiten seitens der Autor*innen dazu, daß Ideen im Konzeptstadium verbleiben, und gar nicht erst weitergedacht und ausgearbeitet werden. Zudem kümmern sich Künstler*innen, die auch selbst als Performer*innen ihrer Stücke auftreten, nicht immer um adäquate Notationen, die Aufführungen ihrer Werke durch andere erlauben würden. Ein Repertoire an Sprachmusik kann so nicht entstehen. Solch verborgenen Plänen und Ideen wollten wir mit Autorenmusik II gern auf die Welt und zum Klingen verhelfen!

Deshalb wurden bei Autorenmusik II im Rahmen eines Workshops im Juni 2018 vorab konkrete Schwierigkeiten und Fragen besprochen, die Autor*innen haben, wenn sie mit der Aufgabe konfrontiert sind, speziell für ein Sprech-Ensemble zu notieren. Spezielle Anleitungen, Demonstrationen und Handreichungen wirkten zugleich auch als kreative Stimulantien auf die Autoren zurück.

Eine ausführliche audiotextuelle Dokumentation der erarbeiteten Materialien (Vorträge, Diskussionen, kompositorische Arbeitsergebnisse usw.) nach Abschluß des Projektes soll sicherstellen, dass diese Grundlagenarbeit auf dem Gebiet der Sprachmusik auch künftig von Autoren und Musikern in ihrer künstlerischen Praxis als Basisinformation genutzt werden kann. In diesem Sinn versteht sich Autorenmusik II explizit als Modellvorhaben.

(Harald Muenz 2018)