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Georg Sachse - Sprechmelodien, Mischklänge, Atemzüge. Phonetische Aspekte im Vokalwerk Steve Reichs (Buch, 2004)
InhaltRezensionen

José de Udaeta, Sigrid Sachse u.a. - Magie der Kastagnetten (CD, 1999)

B. J. Kröger, Chr. Riek, G. Sachse (Hrsg.) - Festschrift Georg Heike (Buch, 1998)

 
 

Diss

Georg Sachse:
Sprechmelodien, Mischklänge, Atemzüge.
Phonetische Aspekte im Vokalwerk Steve Reichs.

Kölner Beiträge zur Musikwissenschaft Bd.2, herausgegeben von Christoph von Blumröder und Wolfram Steinbeck.
Gustav Bosse Verlag, Kassel 2004.
ISBN: 3-7649-2702-X

 

Zum Inhalt:

Eine der wesentlichen Konstanten im Oeuvre des amerikanischen Komponisten Steve Reich, gemeinhin als einer der Hauptvertreter der sogenannten Minimal Music bekannt, ist die Beschäftigung mit Stimmklang und Sprache, und dies nicht nur auf sehr vielfältige, sondern auch immer wieder durchaus innovative Art und Weise. Reichs kompositorischer Umgang mit Stimme und Sprache von seinen frühesten bis hin zu seinen jüngsten Werken ist Thema dieser Arbeit, die somit an der interdisziplinären Schnittstelle zwischen Musikwissenschaft und Phonetik angesiedelt ist.

Für den Großteil der Werke Reichs steht dabei der dokumentarische Aspekt im Vordergrund. Die Sprachaufnahmen, die er für seine Kompositionen verwendet, werden nicht etwa verfremdet, hingegen bestimmen die phonetischen Parameter der Sprache mehr oder weniger vollständig die musikalischen Mittel (z.B. It´s Gonna Rain, Come Out, My Name Is, Different Trains, The Cave). In anderen Werken wird die menschliche Stimme als reine, quasi-instrumentale Klangfarbe verwendet, um in der Kombination mit Musikinstrumenten (oder durch Imitation instrumentaler Klänge) neue, kompositionsspezifische Klangwelten zu erschaffen (z.B.: Drumming, Music for Mallet Instruments, Voices and Organ, Music for 18 Musicians, Music for a Large Ensemble). Auch bestimmt in einigen Kompositionen die Dauer menschlicher Atemzüge die musikalisch-rhythmische Struktur. Selbst in reinen Textvertonungen (z.B. Tehillim oder The Desert Music) werden Rhythmus und Metrum aus sprachlichen Gegebenheiten abgeleitet.

Während das Hauptaugenmerk dieses Buches auf der kompositorischen Beschäftigung Steve Reichs mit Stimme und Sprache liegt, läßt es sich gleichzeitig allerdings auch als Einführung in sein Gesamtwerk lesen. Als erste deutschsprachige Monographie über Reich enthält diese Arbeit sowohl biographische Notizen als auch einen Abriß über die Geschichte der Minimal Music. Abgerundet wird dies durch ein umfassendes Werkverzeichnis sowie durch die Texte zu The Cave und Three Tales. 269 Seiten mit 66 (Noten)Beispielen.

Inhaltsverzeichnis:
01. Einleitung
02. Der Begriff der `Minimal Music´
03. Die Entwicklung der `Minimal Music´
04. Steve Reich - Biographische Notiz
05. Das Werk Steve Reichs - eine Übersicht
06. Das Vokalwerk Steve Reichs: Einleitung
07. Die frühen Werke The Plastic Haircut (1963) und Livelihood (1964)
08. It´s Gonna Rain (1965) und Come Out (1966)
09. Slow Motion Sound (1967)
10. Drumming (1971)
11. Music for Mallet Instruments, Voices and Organ (1973), Music for 18 Musicians (1976) und Music for a Large Ensemble (1978)
12. My Name Is (1967), My Name Is (Ensemble Portrait) (1981) und Mein Name ist (Portrait der Schola Cantorum) (1981)
13. Tehillim (1981)
14. The Desert Music (1984)
15. Different Trains (1988)
16. The Cave (1989-93)
17. City Life (1995)
18. Yesterday Afternoon (1991), Proverb (1995) und Know What Is Above You (1999)
19. Three Tales (2002)
20. Zusammenfassung
21. Anhang A: Texte und Quellen zu The Cave (1989-93)
22. Anhang B: Texte zu Three Tales (1998-2002)
23. Anhang C: Werkverzeichnis Steve Reich
24. Literaturverzeichnis
25. Register

Preis: 39,95 €
Bestellungen bitte unter: www.bosse-verlag.de
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Rezensionen:

Christian Baier in ÖMZ 5/2005:

"Es ist viel Spekulatives über Steve Reich publiziert worden. Sachses profunde Analyse schließt eine der letzten Lücken im Schifttum über den 'Minimal-Guru'. Die Arbeit - eine Dissertation an der Universität Köln - unterscheidet sich wohltuend von vielen anderen zeitgeistigen und geschmäcklerischen Versuchen, Reichs Schaffen in systematische Formen zu zwängen und es als Fundament eines musikhistorischen Weltbildes zu stylen. Kein Wunder: Der Autor ist Schüler von Georg Heike, dessen stringente Methodik ausschließlich vom Werk und nicht von den Wunschvorstellungen der Analytiker ausgeht. Durch eine gewisse Denkstrenge, die stets am Werk und auch am gewählten Thema bleibt und - außer bei der Darstellung des ästhetischen Umfeldes - nicht auf die verlockend vielen Randgebiete der 'Minimal Art' (samt ihrer unzähligen Denk-Fallen) übergreift, gelingt es Sachse, die im Schaffensprozeß Reichs linear-konsequente Integration der menschlichen Stimme in minimalistische Prozesse von den frühen Tonbandexperimenten (It's gonna rain, Come out) über die Verwendung der menschlichen Stimme als Teil eines Instrumentalapparates (Music for Mallet Instruments, Voices and Organ), Music for 18 musicians) und die wegweisenden Vokalkompositionen Tehillim und Desert Music bis hin zu den Sprechmelodien von Different Trains, The Cave, Three Tales darzustellen. Manches in Sachses Buch ist eine gekonnte Zusammenfassung bereits vorhandener Studien, aber bei vielen Aspekten des Themas wagt er sich in analytisches Neuland vor. Teilweise kommt der inhaltliche und ästhetische Einfluss der gewählten Texte auf die Ausformulierung des musikalischen Gedankens (immanent etwa bei Desert Music) ein wenig zu kurz, und vielleicht hätte an der einen oder anderen Stelle ein Rundblick in die geistesgeschichtlichen Entwicklungen in den USA jenseits des Minimalismus sowie eine vertiefende Betrachtung des 'Dokumentarischen' bei Reich weitere Zusammenhänge erschlossen. Doch entschädigt der Autor in lesbarer Form - welch eine Seltenheit in musikwissenschaftlichen Arbeiten! - durch eine Fülle von wichtigen Erkenntnissen und einen gekonnten Brückenschlag zwischen dem experimentellen Frühwerk und den 'großen' Kompositionen der letzten 20 Jahre.


Herbert Glossner in "Positionen dreiundsechzig", Mai 2005:

"(...) Bei allen Bedenken gegenüber dem aus der Kunstgeschichte entlehnten Begriff "minimal music" führt Sachse präzise in die Materie ein, stellt zunächst die Protagonisten La Monte Young, Terry Riley und Phil Glass vor. Im Werk Reichs zeigt er die Prinzipien der pulsierenden Repetition, der Phasenverschiebung und des Kanons auf, um sich dann ausgiebig mit dem Vokalwerk und jeder einzelnen Komposition zu beschäftigen. Reichs Arbeit mit Sprache als Klangmaterial, mit Tonbandaufzeichnungen, verschiedenen Geschwindigkeiten, Sprachüberlagerungen und -zerlegungen oder das Ideal [des] "vokal-instrumentalen Mischklangs" wird transparent. So auch der Unterschied dieser Mittel zur geradlinigen, oft syllabischen Textvertonung (in der Psalmenkomposition Tehillim, 1981, oder in The Desert Music, 1984) und zu bewußt verständlichen Sprachfragmenten (Different Trains, 1988). Den Phonetiker und Musikwissenschaftler Sachse interessiert besonders das Übertragen von Sprechmelodie aus dem gesprochenen, dokumentarischen Wort in instrumentale Formeln. Sachses Darstellung reicht bis zur dokumentarischen Video-Oper Three Tales (2002), die sich vor allem neue technologische Entwicklungen zunutze macht. Texttabellen zu einigen Werken, ein Reich-Werkverzeichnis ergänzen die Darstellung. Ein großer Vorzug sind die zahlreichen, neu gesetzten Notenbeispiele, hinderlich für Nicht-Kenner manche Passagen in Phonetik-Fachsprache. Doch im Ganzen lassen sich diese Kölner Beiträge erstaunlich gut lesen."


Robert Nemecek in einem Bericht zu den ersten beiden Bänden der "Kölner Beiträge zur Musikwissenschaft", gesendet im Deutschlandfunk, "Musikjournal", 11.4.2005:

"Beide Arbeiten bewegen sich sowohl sprachlich als auch analytisch auf hohem Niveau und können für sich beanspruchen, unser Wissen um das musikalische Denken der (...) Komponisten um einige wichtige Aspekte und Erkenntnisse bereichert zu haben.
(...) Ausführlich und in einer auch für Nicht-Eingeweihte verständlichen Sprache legt der Autor dar, wie Reich Verbindungen zwischen Stimme, Sprache und Musik auskomponiert. Und indem er zugleich zeigen kann, wie originell, differenziert und vielfältig Reichs Umgang mit diesem Material ist, widerlegt er zugleich das in Europa nach wie vor gängige Vorurteil von der primitiven, angeblich eher nach industriellen als nach künstlerischen Maßstäben gefertigten Minimal-Music."


"tf anno" auf der Internet-Site "CrossOver":

"(...) Lesefreude, die (...) eine erhebliche ist. Man klappt das Buch am Ende mit Gewinn zu - und das ist doch schon eine ganze Menge. Für musikalisch interessierte Menschen mit einer Neigung zu - auch heute noch - avantgardistischen Klängen ist das Buch auf jeden Fall eine Empfehlung wert."
 


Bernd J. Kröger, Christine Riek, Georg Sachse (Hrsg.), Festschrift Georg Heike. = Forum Phoneticum 66. Hector, Frankfurt am Main 1998.
ISBN: 3-930110-14-8.

Anlaß für diese Festschrift war der 65. Geburtstag von Prof. Dr. Georg Heike und seine Emeritierung nach fast 30 Jahren als Ordinarius und Direktor des Instituts für Phonetik der Universität zu Köln. Sie wurde ihm überreicht im Rahmen eines Konzerts, das er anstelle einer klassischen Abschiedsvorlesung veranstaltete.

Inhaltsverzeichnis:

- Walter Sendlmeier / Astrid Heile, Nasalität und Behauchung als Indikatoren für den stimmlichen Ausdruck körperlichen Wohlbehagens

- Ursula Hirschfeld, Zur Vermittlung der Intonation im Fremdsprachenunterricht

- Karl Heinz Ramers, Minimale Wörter: “Prosodische” Beschränkung graphischer Wortstrukturen

- Thomas Portele / Wolfgang Hess, Zur Wahl geeigneter phonetisch/phonologischer Einheiten in der konkatenativen Sprachsynthese

- Constanze Weinstock, Untersuchungen zur auditiven Sprechererkennung durch phonetische Laien im Rahmen forensischer Stimmidentifikation

- Jürgen Rolshoven, Spracherkennung und Computerlinguistik

- Georg Sachse, Phonetische Parameter des Wortakzents im Deutschen: Eine Untersuchung und einige Anmerkungen

- Doris Mücke, Der j-Laut im Deutschen: Normierung und Gebrauchsnorm

- Michael Thiergart / Astrid Mucha-Thiergart, Die Phonetik des Finnlandschwedischen

- Claudia Opgen-Rhein, Intonation und Akzent in einem artikulatorischen Sprachsynthesesystem

- Heinz Vater, Zur Silbenstruktur im Deutschen

- Ulrike Groß, Deskription textueller Gestik

- Bernd Pompino-Marschall / Peter M. Janker / Christine Mooshammer / Bernd J. Kröger, Kinematic and Dynamic Analysis of German Syllables with Tense and Lax Vowels

- Clarence Barlow, On the Spectral Analysis of Speech for Subsequent Resynthesis by Acoustic Instruments

- Eberhard Stock, Über Sprechrhythmus

- Bernd J. Kröger, Articulatory Strategies for Vowel Production in Stressed and Unstressed Syllables

- Göran Hammarström, Das Phonem: Begriff und Terminologie

- Eva-Maria Krech, Gegenwärtiger Stand und neueste Ergebnisse bei der Erforschung der deutschen Standardaussprache

- Jobst P. Fricke, Die Schwingungsformen der gestrichenen Saite, wenn mit dem Bogen Einfluß auf den Klang genommen wird

- Ursula Stephany, Zur Beziehung zwischen prosodischen und syntaktischen Einheiten in griechischen Erzählungen

- Frank Schindler, Ein kurzer Bericht von zwei Stationen einer Bildungsreise mit ein bisschen Phonetik im Gepäck: kein wissenschaftlicher, aber ein empirischer Beitrag

- Hannes Kniffka, Forensische Phonetik und forensische Linguistik

- Reinhold Greisbach, Zu den akustischen Merkmalen der Plosive von Mundart und Umgangssprache in Köln

- William Barry, Zur Analyse prosodischer Abweichungen in der Fremdsprache. Rhythmische Probleme koreanischer Deutschlernender

- Hans Günter Tillmann / Phil Hoole, The Menzerath/de Lacerda Theory of Coarticulation